Thematische Karten: Klima

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Längenänderungen der Gletscher zum Vorjahr (2008)

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Info

Die Karte zeigt die Längenänderungen jener Gletscher, die im jährlich erscheinenden Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins erfasst sind. Die Symbolgröße entspricht dabei dem absoluten Wert der Längenänderung, die Symbolfarbe signalisiert Abnahme (Gelb-, Rottöne) bzw. Zunahme (Grüntöne). Klicken sie für ein Diagramm mit der Entwicklung seit 1991 auf die einzelnen Quadrate

Kartentext

Gletscherbericht 2007/08

Auszug aus dem Sammelbericht über die Gletschermessungen des Oesterreichischen Alpenvereins im Jahre 2008. Univ.-Prof. i. R. Dr. Gernot Patzelt, Leiter des Alpenverein-Gletschermessdienstes. Bergauf 02/2009, Jg. 64 (134), S. 20-21

Der Witterungs­verlauf

Die Witterung des Winters (Oktober bis April) war durchaus gletscherfreundlich. Einem kühlen Frühwinter mit überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen im November folgte zwar ein warmer Hochwinter mit rund 3° überdurchschnittlichen Temperaturen im Januar und Februar (Abb. 1). Aber mit einem deutlich zu kalten März und einem normal temperierten April ergab sich für die Wintermonate mit +0,4° eine verhältnismäßig geringe positive Abweichung vom langfristigen Mittelwert. (Im Vorjahr war der Winter um 3,2 °C zu warm.) In den hochalpinen Staulagen fielen überdurchschnittliche Schneemengen. Im zentralen Ötztaler Gebirgsraum blieben die Monate von Dezember bis März allerdings zu trocken (Obergurgl 68 % der normalen Niederschlagsmenge).

Der Sommer begann mit den deutlich zu warmen Monaten Mai und Juni. Für den Juli ergab sich eine nur geringe, im August wieder eine stärkere positive Abweichung der Monatsmitteltemperaturen. Nur im September blieb die Temperatur mit –1,6 °C deutlich unterdurchschnittlich. Als Mittelwert für die Sommermonate ergab sich mit +0,9 °C wieder ein deutlich überdurchschnittlicher Wert, der dem des Vorjahres genau entspricht. Die Niederschlagsmengen erreichten im Sommer insgesamt nur 90 % des Normalwertes. Sie fielen schon im letzten Junidrittel bis in größere Höhen als Regen. Die Neuschneefälle im Juli um den 6./7., 13./14. und 22./23. d. M. verzögerten die Ausaperung der Gletscher. Doch in der letzten Juli- und 1. Augustwoche regnete es wiederholt bis in die Gipfelhöhen und die warmen Tage der letzten Augustwoche führten zu starker Schnee- und Eisschmelze. Im September hat ein erster Kaltlufteinbruch am 7./8. erstmals etwas Neuschnee gebracht. Am 14.9. fiel Schnee bis in höhere Tallagen. Ab diesem Tag ist im September im 3000-m-Niveau die Tagesmitteltemperatur nicht mehr über 0 °C gestiegen. Ab 21.9. blieb der weitere Neuschnee bis zum Monatsende auf den Gletschern endgültig liegen.

Die Beobachtungs- und Messergebnisse

Die gut verfestigte und gebietsweise überdurchschnittlich mächtige Winterschneedecke wurde in den warmen Frühsommerwochen rasch durchfeuchtet. Ihr Abbau begann früh in der Jahreszeit. Die Neuschneefälle im Juli und August haben die Ausaperung der Gletscher verzögert und die Eisschmelze geringer gehalten als in vergangenen Jahren. Anhaltende Warmperioden Ende Juli und im August führten aber dann doch zu einem starken Abbau der Schneedecke bis in große Höhen. Die maximale Ausaperung wurde am 13.9. erreicht. Für hochgelegene Gletscher bedeutete der Schneefall am 14./15.9. das Ende des Haushaltsjahres. Neuerlicher Neuschnee am 21.9. brachte auch für tiefliegende Gletscherzungen das Ende der Abschmelzperiode.

Im reduzierten Messprogramm werden jetzt 96 Gletscher geführt. Davon wurden von 94 Gletschern konkreteBeobachtungs-undMess­ ergebnisse mitgeteilt (Tab. 1). Davon sind 83 (= 88 %) zurückgeschmolzen, 7 (= 8 %) stationär geblieben und 4 (= 4 %) vorgestoßen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr, in dem alle Gletscher (100 %) zurückgeschmolzen sind, ein bemerkenswerter Unterschied (Tab. 2).

Aus 89 Messwerten ergibt sich für das Jahr 2007/08 ein mittlerer Längenverlust von 12,8 Metern. Im Vorjahr lag dieser Wert bei –22,2 m, der Mittelwert der letzten 10 Jahre beträgt –14,0 m. Der leicht unterdurchschnittliche mittlere Rückschmelzbetrag ist auf die verkürzte Abschmelzzeit zurückzuführen, nicht auf verstärkten Eisnachschub.

Von den vier Gletscherenden mit Vorstoßbeträgen sind 2 deutlich ausgeprägt (Kleines Fleißkees, Goldberggruppe +4,8 m, Klein­elendkees, Ankogel-Hochalmspitzgruppe +4,1 m). Zusammen mit 7 Gletschern, die als stationär eingestuft werden, somit 12 % der gemessenen, sind diese einem Gleichgewichtszustand nahe. Vorstoß, stationär und geringe Längenverluste häufen sich in den östlichen Gebirgsgruppen.

Die Zungen der großen Gletscher der Ötztaler Alpen zerfallen überdurchschnittlich stark. Insgesamt sind 10 Gletscher­ enden um mehr als 30 m zurückgeschmolzen. Davon liegen 6 in den Ötztaler Alpen. Die größten Rückzugsbeträge wiesen der Schalfferner (–49,0 m), der Vernagtferner (–45,2 m) und der Mutmalferner (–43,5 m), alle in den Ötztaler Alpen gelegen, auf. Gletscher mit langen Zungen weisen durchwegs überdurchschnittlich starken Rückgang auf. Sie haben sich von den extremen Massenverlusten des Jahres 2003 noch nicht erholt.

An den Profillinien der Pasterze wurde mit –4,0 m zwar ein etwas geringeres Einsinken der Eisoberfläche als im Vorjahr (–4,8 m) gemessen. Die Jahresbewegung an den Steinlinien zeigt aber eine deutliche Abnahme der Fließgeschwindigkeit. Bei der Steinlinie 6 am Hintereisferner ist die Eisoberfläche um 4,3 m eingesunken und die Fließgeschwindigkeit hat weithin abgenommen (von 6,0 m auf 5,2 m im Mittel von 12 Messpunkten). Um ca. 45 % gegenüber dem Vorjahr verringert haben sich die Beträge der Höhenänderung an den Profilen von –3,73 m (06/07) auf 2,05 m (07/08) im Mittel von 5 Profilwerten.

Insgesamt ergaben die Messungen für das Berichtsjahr verringerte Längen- und Massenverluste gegenüber dem Vorjahr, aber eine Fortsetzung des Gletscherschwundes, besonders an den Gletschern mit großen und weit herunterreichenden Gletscherzungen.

Quelle

Gletscher - Längenänderung zum Vorjahr (m) (2008) (v264:2503) (edit)
Quelle: Österreich: Patzelt, Gernot (2013): Length changes of Austrian glaciers 2007/2008. doi:10.1594/PANGAEA.821816

Daten

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